Dankbarkeit Das Gefühl wird heute differenziert betrachtet

Das Gefühl wird heute differenziert betrachtet

Seit Ende der 1990er-Jahre erlebt Dankbarkeit fast so etwas wie einen Boom. Die in diesen Jahren neu entstandene Forschungsrichtung der Positiven Psychologie belegte die Annahmen der frühen Denker mit wissenschaftlichen Methoden. Vor allem Forscher*innen in Amerika, wie etwa Robert Emmons und Sonja Lyubomirsky, arbeiteten heraus, wie stark Dankbarkeit auf unser Wohlbefinden wirkt, etwa als effektives Gegenmittel für den Umgang mit negativen Gefühlen wie Ärger, Neid, Feindseligkeit, Groll und Sorge. Dankbare Menschen sind glücklicher, optimistischer, hilfsbereiter, motivierter und einfühlsamer, das ergaben verschiedene Studien. Bald konnte man in fast jeder Bahnhofsbuchhandlung hübsch illustrierte Dankbarkeitstagebücher kaufen oder VHS-Kurse belegen, um dort mit verschiedenen Übungen seinen „Dankbarkeitsmuskel“ zu trainieren. 
Nach dieser  ersten Begeisterungswelle wird das Gefühl der Dankbarkeit in der Psychologie heute differenzierter betrachtet. Man muss keine Wissenschaftlerin sein, um zu ahnen, was der Punkt sein könnte. Ja, Dankbarkeit kann das Herz zum Überlaufen bringen, den Blick weiten und dunkle Wolken vertreiben, Aber wer kennt nicht auch das unangenehme Gefühl, zu Dank verpflichtet zu sein? Oder wie Goethe es formulierte: „Dankbarkeit ist manchmal ein Band, oft aber eine Fessel.“ In ihrer ritualisierten Form kann sie sich auch ziemlich schal anfühlen. Man erinnere sich an dröge Briefe, die man einst an Onkel und Tanten schrieb, weil sie einem fünf Mark geschenkt hatten. Oder an den Unmut, der sich einstellt, wenn man sich für ein unpassendes, gedankenloses Geschenk auch noch überschwänglich bedanken muss. Und auch das kann zur Dankbarkeit gehören: 
ein dumpfes Gefühl, gerade manipuliert worden zu sein, wenn die chaotische Freundin sich tausendmal mit „Du bist die Beste!“ euphorisch bedankt, nachdem man ihr zum wiederholten Male mit viel Mühe aus der Patsche geholfen hat. 


Den ganzen Text lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von BRIGITTE WIR.