Gespräch über das Leben „Mein Glücksrezept: Sich die Lebendigkeit erhalten“

„Mein Glücksrezept: Sich die Lebendigkeit erhalten“

BRIGITTE WIR: Mit 17 sind Sie von zu Hause abgehauen und meldeten sich eine Woche nicht bei den Eltern. Was war da los?
ULRIKE KRIENER: Ich war ein sonniges Kind, aber ein schwieriger Teenager. Schlecht in der Schule, dann eine Lehre versucht, mich verknallt, ich wusste nicht, wohin mit mir, immer dieses diffuse Bremer-Stadtmusikanten-Gefühl: Etwas Besseres als den Tod findet man allemal. Und ich war jung in den Siebzigern, 
da passierte viel, alles war im Umbruch.
Waren Ihre Eltern sehr streng?
Natürlich hatten sie sehr genaue Vorstellungen davon, wie ich mein Leben führen sollte, aber sie waren nicht engstirnig. Meine Familie ist katholisch, aber Religion wurde bei uns ohne Druck gelebt. Wir haben gebetet, sind sonntags in die Kirche gegangen. Aber ich bin heimlich weggegangen und habe meinen Eltern dadurch sehr viel an Sorgen und Kummer zugemutet. Weil sie Angst hatten, ich wäre in die Drogenszene abgerutscht, haben sie professionelle Hilfe gesucht. 
Und, nahmen Sie Drogen? 
Na ja, ich habe alles Mögliche ausprobiert, aber ich möchte das jetzt nicht vertiefen. Ich habe in der Teestube einer Drogen?beratung gearbeitet und mir dort einmal Läuse geholt. Man hat meinen Eltern geraten, mich ziehen zu lassen, und ich rechne ihnen hoch an, dass sie sich daran gehalten haben. Meine Mutter ist vor fünf Jahren gestorben, mein Vater ist 
90, er ist mittlerweile blind, was ihm großen Kummer macht. Bis vor Kurzem konnte er seinen Alltag in raupenartiger Geschwindigkeit noch meistern, aber irgendwann hat er die Einsamkeit nicht mehr ertragen und ist in ein Heim gezogen, wo er sich zum Glück wohl- und aufgehoben fühlt. Wir haben überlegt, ob er zu uns nach München kommt, aber das Ruhrgebiet ist seine Heimat, da wollte er nicht weg. 
Seit 28 Jahren sind Sie glücklich mit dem Drehbuchautor Georg Weber verheiratet. 
Dabei war er, als wir uns 1990 auf einer Premierenfeier kennenlernten, wirklich kein Hingucker. Typ Späthippie, bunte Haare. Damals war er noch Schauspieler. Aber als wir zu reden anfingen, hatten wir sofort gleiche Themen, es war von Anfang an spannend mit ihm. Es passte, es funkte einfach. Gleich am ersten Abend haben wir geflachst, eigentlich könnten wir auch gleich heiraten. Unsere Gefühle füreinander waren so schnell, 
die mussten vom Leben aber erst mal eingeholt werden. Es hat deshalb auch noch zwei Jahre gedauert...
  
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