Psychologie Die Kraft der Zuversicht

Die Kraft der Zuversicht

Wir leben in der sichersten aller Zeiten! Es hilft, sich das wie ein Mantra vorzusagen: Noch nie lebten Menschen länger, noch nie war die medizinische Versorgung besser und der Alltag sicherer – allen reißerischen Horrormeldungen zum Trotz. Und trotzdem produzieren wir im Kopf diese Horrorszenarien: Krankheit, Flugzeugabsturz, Terror. Wir sind immer dünnhäutiger, verwöhnter, zimperlicher geworden – je komfortabler das Leben wurde. Warum? Weil wir heutzutage verdammt viel zu verlieren haben.

Es gibt eine gefühlte Unsicherheit, weiß Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer. Und die habe zugenommen, weil unsere Wahlmöglichkeiten zugenommen haben. Jeden Moment können wir eine falsche Entscheidung treffen. Im Beruf, in der Familie, bei der Arztwahl. Freiheit ist gut – aber sie macht auch Angst. Als der Bauerssohn noch Bauer wurde und die Frau Mutter und Hausfrau, waren die Dinge klar geregelt. Jetzt können wir unser Glück selbst schmieden. Und unser Unglück eben auch.

Die Psychologin Doris Wolf hat ein hilfreiches Buch über den Umgang mit Sorgen geschrieben. Im Interview sagt sie etwas Beruhigendes: „Normale Sorgen kennen wir alle. Sie dauern nicht so lange an und münden häufig in der Lösung des Problems. Sie können uns helfen, uns auf Herausforderungen vorzubereiten, sie zu vermeiden oder zu lösen.“ Das ist genau die rettende Funktion der Angst, die schon unseren Urahnen half, rechtzeitig auf einen Baum zu klettern. Bei uns sitzt der hungrige Säbelzahntiger allerdings nicht im Gebüsch, sondern im Kopf.