Psychologie „Es gibt viele Arten zu altern. Allen gemein ist, dass wir sie zum ersten Mal erleben“

„Es gibt viele Arten zu altern. Allen gemein ist, dass wir sie zum ersten Mal erleben“

„Tja, das ist das Alter“, sagt die Ärztin, während sie die Aufnahmen meiner Halswirbelsäule betrachtet. „Der Schmerz wird Sie von nun an begleiten.“ „Welches Alter“, sage ich ungehalten, „ich bin 45!“ Und während die Ärztin undurchdringlich lächelt, wird mir klar, dass das für ein menschliches Skelett schon ganz schön alt ist. Das war das erste Mal, dass im Zusammenhang mit meiner Person das Wort „Alter“ auftauchte. Fünf Jahre später ging es dann richtig los. Zum 50. trug ich Röhrenjeans und rebellierte mit dem ersten Joint meines Lebens gegen das ehrwürdige Jubiläum. 
   Der Zeitgeist kam meiner Rebellion entgegen: 50 ist das neue 40, hieß es plötzlich. Oder gar das neue 30? Jedenfalls kam es in Mode, 50-Jährigen das Recht auf Rest-Coolness zuzubilligen. Vielleicht hatte es auch damit zu tun, dass immer mehr Leute dieses Alter erreichten – Popstars, Mediziner, Wissenschaftler, Demoskopen –, die diese Theorie sehr gern verbreiteten. Das Ganze ist nun schon wieder 15 Jahre her. Und ich habe mich ans Älterwerden gewöhnt. Doch bei meinem letzten Geburtstag habe ich eine Grenze überschritten. Ich gehöre jetzt zu der Spezies, die mir bisher unheimlich war: Senioren. Das sind die, die in der Mehrheit nicht mehr arbeiten. Die sich vor der Digitalisierung fürchten. Die Gesundheitskosten in die Höhe treiben und sich schon mal im Pflegeheim anmelden dürfen. 
   Zum Stichwort Senioren fallen einem nicht zuerst schmeichelhafte Vorurteile ein. Wenn man plötzlich selbst dazugehört, merkt man, wie gemein das ist. Ich zum Beispiel arbeite noch, nutze mein Handy vielfältig wie ein Büro und freue mich auf die Möglichkeiten, die die Digitalisierung gerade für uns Ältere bringt. Ich gehe nicht auf Kreuzfahrten – dafür fehlen mir die Zeit und das Geld. Ich ahne natürlich, dass ich nicht als Einzige aus dem Raster falle. 
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Den ganzen Text lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von BRIGITTE WIR. Außerdem in dieser Ausgabe: 

Mehr Geld im Alter, 3. Teil: Welche Versicherungen brauche ich jetzt noch? Und von welchen kann ich mich trennen?

Die Zeitzeugin: Ein Gespräch mit der Fotografin Ute Mahler, die in der DDR groß geworden ist und mit ihren Bildern unseren Blick auf Menschen und Mode verändert hat. 

Ich war eine schlechte Mutter: Die Erkenntnis kam, als ihre Söhne bereits aus dem Haus waren. Marianne Ksionek hat lange gebraucht, die eigenen Fehler zu sehen und mit ihren Schuldgefühlen fertigzuwerden

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