Psychologie Krisen durchleben, bis sie sich wandeln

Krisen durchleben, bis sie sich wandeln

Es ist, wie es ist, das Leben weigert sich beharrlich, unseren Vorstellungen zu folgen. Und obwohl wir mittlerweile wohl alle Erfahrungen haben mit geplatzten Träumen, unerwarteten Wendungen und schmerzlichen Veränderungen, stemmen wir uns jedes Mal wieder dagegen – in der Hoffnung, doch noch die Kontrolle zurückzugewinnen. Doch tief in uns drin ahnen wir vermutlich, dass es klüger wäre, nachzugeben und uns in Akzeptanz zu üben. 

Loslassen, akzeptieren, annehmen. Das klingt so einfach und ist so schwierig, wenn uns das Leben Pakete vor die Tür stellt, die wir als unannehmbar empfinden. Der antike Philosoph Epiktet soll seinen Schülern einmal den Rat gegeben haben: „Wir können die Dinge nicht immer ändern. Aber wir können unsere Haltung gegenüber den Dingen ändern.“ 

Vor Bitterkeit, Verzweiflung und Unsicherheit über Jahre kann das Akzeptieren bewahren. Es bedeutet, ehrlich hinzuschauen und anzuerkennen: Was passiert oder passiert ist, kann ich nicht kontrollieren und ändern. Es ist ein Teil meiner Existenz. Ich mache meinen Frieden damit, auch wenn es meinen Lebensalltag radikal verändert. 

Das braucht Zeit und bedeutet seelische Schwerstarbeit. Denn Akzeptieren ist ein Entwicklungsprozess, der zumeist mit Abwehr beginnt. Wenn uns etwas zusetzt, formt sich reflexartig ein lautes Nein im Kopf. Wir reagieren mit innerem Widerstand und Kampf. Mit Leugnen, Verurteilen, Anklagen. Wir flüchten uns in Ablenkungen und Fantasiewelten. Die Reaktionsmuster, auf die Menschen automatischen zurückgreifen, wenn sie nicht weiterwissen, nennen Psychologen Schemata. Anfangs scheinen sie zu helfen, zu überwinden, was wehtut – das sind vor allem die Gefühle, unter denen wir leiden. Doch tun wir uns damit keinen Gefallen. Denn alles, was wir ablehnen, wird durch die abwehrende Haltung nur noch mächtiger.

Diese Wechselwirkung ist durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt. Hast du ein Problem und willst es nicht haben, dann hast du gleich zwei – die Alltagsweisheit bringt das Dilemma auf den Punkt.

„Akzeptanz bedeutet für mich, Veränderungen anzunehmen. Nicht, gegen etwas anzukämpfen, was da ist und was ich nicht ändern kann“, sagt Tanja Hetzer, Coach und Leiterin des Hanuman-Instituts für Prozessbegleitung und Coaching in Berlin. Allerdings lasse sich eine akzeptierende Haltung nicht verordnen wie ein Rezept, und auch nicht erzwingen. „Ich habe einen Widerstand gegen die Formulierung: Du musst das akzeptieren. Das klingt mir zu sehr nach Unterwerfung“, sagt Tanja Hetzer. Der beste Weg, mit Belastendem und Verletzendem klarzukommen, sei, es zu durchleben – bis es sich wandelt. 

 

Den ganzen Text lesen Sie in der neuen Ausgabe der BRIGITTE WIR!