Psychologie Selbstliebe ist kein Luxus

Selbstliebe ist kein Luxus

Gehören Sie zur Spezies der Kümmerin? Haben Sie jahrzehntelang hingebungsvoll für andere gesorgt und alles dafür getan, dass es Ihren Liebsten gut geht? Sind Sie Weltmeisterin in den Disziplinen Freundinnentrösten, Partnerpäppeln, Kolleginnenhelfen, Feste-Ausrichten, Kinderbekochen, Coachen und Finanzieren? Aber statt einer Goldmedaille bekommen Sie zu hören, dass Sie nicht genug tun? Willkommen im Klub! 
  Dabei sind Sie jetzt in einer Phase, in der das Leben keinen Dauereinsatz mehr von Ihnen verlangt. Die Kinder sind aus dem Haus, die Liebesdramen im Freundinnenkreis halten sich in Grenzen. Der Job tritt in den Hintergrund. Sie müssen niemandem mehr durch Überstunden beweisen, wie topmotiviert Sie sind. Ideale Bedingungen, um von der Pflicht zur Kür zu wechseln, das Fürsorgeprogramm neu auszurichten und sich zur Abwechslung mal ein wenig um sich selbst zu kümmern. Doch womöglich stellen Sie mit Erschrecken fest, dass Sie gar nicht mehr wissen, wie das geht. 
  Weil Sie aus der Übung sind. Die Selbstfürsorgemuskeln sind mangels Training erschlafft und brauchen ein Aufbauprogramm. Doch sofort meldet sich das schlechte Gewissen. Ist es nicht unverschämt egoistisch, wenn Sie fortan mehr an sich denken und sich zur Abwechslung mal selbst trösten, bemuttern und auf die Schulter klopfen? Die gute Nachricht ist: Es ist nie zu spät, sich noch mal neu zu verlieben in die Frau Ihres Lebens. Und falls jetzt noch Zweifel da sein sollten: Die Frau Ihres Lebens sind Sie! Sorgen Sie gut für sich. Sie können gleich jetzt damit anfangen. 
  Die schlechte Nachricht: Es gibt wahrscheinlich erst mal einiges aufzuräumen. Selbstliebe und Selbstfürsorge fallen nicht vom Himmel. Sie brauchen einen fruchtbaren inneren Boden, auf dem sie gedeihen können. Um uns als Kinder im Leben willkommen und wertvoll zu fühlen, sind wir darauf angewiesen, dass die Eltern uns liebevoll spiegeln. Ist ihr Blick streng und kalt, fehlt uns neurobiologisch gesprochen die Verknüpfung für Liebe. Das Fürsorge- und Beruhigungssystem im Gehirn, das für Wohlbefinden, Wärme und Freundlichkeit sorgt, kann sich nicht optimal entwickeln.
  Die Generation der heute 40- bis 70-jährigen Frauen hat den liebenden Blick meist schmerzlich vermisst und ist mit Sätzen aufgewachsen wie „Nimm dich nicht so wichtig. Sei nicht so empfindlich. Nur wenn du viel leistest, bist du etwas wert“. Keine guten Startbedingungen. „Um mich selbst zu lieben und gut für mich zu sorgen, muss ich mit mir in Beziehung sein, mich für mich und meine Gefühle interessieren und mich liebevoll betrachten. Das hat die Generation der Kriegsenkel, deren Mütter zwischen 1928 und 1946 geboren sind, nicht gelernt“, sagt die Berliner Psychotherapeutin Ingrid Meyer-Legrand....
  
  Den ganzen Text lesen Sie in der neuen Ausgabe der BRIGITTE WIR!