Psychologie „Sie treibt uns an, weiter zu suchen, uns wieder neu auf den Weg zu machen“

„Sie treibt uns an, weiter zu suchen, uns wieder neu auf den Weg zu machen“

Unsere Sehnsüchte finden sich, ordentlich nach Menge der Suchanfragen sortiert, im Internet: Liebe, Nähe, Meer, Geborgenheit, DDR-Zeiten. Ein Wunschzettel, der unsere Hoffnungen offenbart – endlich den einen Menschen finden, mit dem alles gut wird; Gehaltenwerden von Freunden und Familie; an der See Ruhe finden; in eine Vergangenheit zurückkehren, in der alles besser schien.
Unter ihrer fordernden Art litt ich. Immerzu wollte sie etwas, die Sehnsucht: In der Kindheit ließ sie mich träumen, ein Cowboy zu werden oder eine Ballerina. Später verlangte sie einen Ritter, der mich erlösen würde, führte mir Geld, Abenteuer, Reisen vor Augen. Die Sehnsucht trieb mich in die Ferne, ließ mich die Männer wechseln, mit Jobs experimentieren, eine Familie gründen und auf der Suche nach dem ultimativen Kick die Nächte durchfeiern. Es gab kurze Phasen der Erfüllung – und immer, wenn ich dachte: „Puh, endlich ist sie weg!“, klopfte die Sehnsucht wieder an meine Tür und sagte, dass wir noch etwas zu besprechen hätten. Ich beneidete alle um mich herum, die in sich zu ruhen schienen, zufrieden mit dem, was sie waren und hatten. 
  Der Familien- und Paartherapeut Wolfgang Hantel-Quitmann hat die Sehnsucht erforscht. „Sie hat zwei Seiten“, sagt er. „Zum einen können wir mit ihrer Hilfe unsere Wirklichkeit besser ertragen. Zum anderen können wir durch sie nach Veränderung oder Verbesserung streben.“ Es gibt keine Patentrezepte für die Verwirklichung von Träumen – aber handeln können wir doch. Denn unsere Sehnsüchte bieten uns die Chance, zu erkunden, was hinter unserem Verlangen steckt. Jede Sehnsucht ruft danach, dass wir uns Fragen stellen, um uns selber auf die Spur zu kommen: Umgebe ich mich mit den richtigen Menschen? Überfordert mich etwas? Erfüllen mich meine Aufgaben? Bin ich am richtigen Ort? Alles, nach dem wir uns sehnen, birgt noch etwas Tieferes in sich – so wie das Fernweh. In der Ferne hoffen wir zu finden, was uns zu Hause fehlt: Weite und Ruhe, beflügelnde Eindrücke, inspirierende Erlebnisse, die nichts mit unserem Alltag zu tun haben. Kurzfristig werden wir das alles auf einer Reise auch haben können. Aber oft ist das Fernweh nichts anderes als eine Form von Heimweh – die Sehnsucht nach dem Unbekannten oder nach dem noch nicht Entdeckten in uns selbst ...
  
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