Psychologie Zusammenhalt gibt Zuversicht

Zusammenhalt gibt Zuversicht

Nie war ein Pausenbrot so lecker. Meine Banknachbarin Ute hatte mir wortlos ihre Frühstücksbox hingehalten, nachdem ich meine gleich wieder zugeklappt hatte; wie wenig darin war, wird ihr wohl meine Mimik verraten haben. Hungrig griff ich zu, und beide kauten wir stumm und zufrieden. Ich schmeckte frisches Brot, Käse, Gurke, Tomate. In den Wochen bis zu den Schulferien ernährte mich Ute aus ihrer Box. Immer gab es etwas Besonderes darin, eine halbe Paprika, geschälte Möhren, Apfelspalten. Ich fragte sie, ob ihre Mutter sich nicht wundert, dass sie neuerdings so viel futtert. „Nö“, sagte sie, „die freut sich.“ Und ich freute mich auch.

Utes Fürsorge versüßte mir die elfte und auch die zwölfte Klasse, man muss wissen: Frisches Obst und Gemüse waren in meiner Jugend im Osten Kostbarkeiten. Am meisten jedoch beglückte mich damals, dass Ute jeden Tag an mich dachte. Das war, glaube ich, das erste Mal, dass ich Solidarität erfahren habe. 

Diese oft spontane Geste der Mitmenschlichkeit gibt Halt und Zuversicht – man fühlt sich weniger allein und ausgeliefert, getröstet und getragen. Das gilt im Kleinen wie im Großen. Tatsächlich ist auf das Gemeinschaftsgefühl Verlass, wenn Kriege, Krisen und Katastrophen Länder oder Kontinente verheeren. Da reagieren Menschen in aller Welt mit einer Welle von Verbundenheit, Mitgefühl und tatkräftiger Hilfsbereitschaft. Spenden den Notleidenden Zeit und Energie, ihr Wissen und Geld, selbst wenn sie wenig haben. Das ist ein Fundament, auf dem man vielerorts dann gestärkt wieder aufbauen kann. Ganz so wie es das lateinische Wort nahelegt, von dem die Solidarität abgeleitet ist: solidos bedeutet tragfähig ... 

 

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