Aufbruch Runter vom Sofa und etwas Sinnvolles tun

Runter vom Sofa und etwas Sinnvolles tun

Petra Teegen weiß nicht, wie oft sie schon in den Lauf einer Waffe geguckt hat. Da war der Typ, dessen halb verhungerte Holsteiner sie mit Amtshilfe aus einem dunklen Stall befreite und der plötzlich mit angelegter Flinte die Treppe runterkam. „Ich blieb so ruhig, weil ich sah: Der Hahn ist nicht gespannt“, erzählt die 68-Jährige. Bis schon wieder ihr Handy klingelt. Eine Frau aus dem Rheinland will wissen, ob sie Platz für ein Pony hätte, mit dem ihre Nachbarn völlig überfordert sind. Natürlich hat sie. „Es gibt so viele Geschichten voller Leid“, sagt Teegen später. Mal müssen die Tiere vor ihren verzweifelten Menschen gerettet werden, mal bringen die Besitzer ihre Tiere freiwillig auf ihren Hof. Ihr Hof ist Deutschlands erste Pferdeklappe, Petra Teegen gründete sie vor acht Jahren. 

Es sind nicht nur die Tiere, die Teegen retten möchte. Es sind genauso die Menschen, denen sie zumindest eine Sorge abnehmen möchte. Deren Pferd einfach nicht mehr in ein Leben passt, das sich durch Schulden, Arbeitslosigkeit oder anderes Unglück verändert hat. 

Mit Leid kennt Teegen sich aus. Aber sie war immer eine, die sich nicht unterkriegen ließ. „Das wird schon“ ist eines ihrer Mantras, und „Für jedes Problem gibt es eine Lösung“. Musste sie sich früher oft selbst sagen: „Lange Zeit hatte ich ein Scheißleben“, gibt sie zu. Ihr erster Mann vergewaltigte sie und misshandelte ihren Sohn. Mitten in der Nacht packte sie damals ihre Sachen und ging. „Danach hatte ich es schwerer, aber gemütlicher“, lacht sie. Tapfer zog sie ihre Ausbildung zur Krankenschwester durch. Ihr zweiter Mann brannte durch mit allem, was da war, ein dritter, „eigentlich ein Knuddelbär“, war irgendwann auch weg. Mit drei Pferden, 80 Grünleger-Hühnern und ihren Kindern zog sie schließlich vor knapp 34 Jahren auf den Resthof bei Kappeln in Schleswig-Holstein, arbeitete nachts als Schwester auf der onkologischen Station, baute tagsüber einen Reitstall auf. Bis zu dem Tag, an dem eine Stute in Panik über sie rübertrampelte, einen Nackenwirbel erwischte und Petra Teegens Zeit als Krankenschwester damit vorbei war. „Da saß ich auf dem Sofa und dachte: Du kannst hier sitzen bleiben, den ganzen Tag fernsehen, Chips futtern und fett werden – oder du machst noch mal was richtig Sinnvolles“, erinnert sie sich. Das war der Startschuss zur Pferdeklappe.

 

Den ganzen Text lesen Sie in der neuen Ausgabe der BRIGITTE WIR!