Ernährung Einfach leben, immer weitermachen – und gar nicht so viel darüber nachdenken

Einfach leben, immer weitermachen – und gar nicht so viel darüber nachdenken

Jeden Tag betet Haru Miyagi zu ihren Ahnen. Sie richtet sich an den kleinen Hausaltar, ihren Butsudan, und zündet Räucherstäbchen an. „Passt auf meine Familie auf und auf mich“, bittet sie ihre Vorfahren dann. „Danke für meine Gesundheit! Danke für mein gutes Leben und diesen Tag.“  

Es ist ein Ritual, das für Haru Miyagi zum Morgen gehört wie die selbst gekochte Misosuppe und ihre Zeitung. Aufrecht sitzt sie im Sessel, ihr silbernes Haar hat sie zurückgekämmt. Aus einem Kännchen schenkt sie sich grünen Tee ein. Ihre Wohnung, ausgelegt mit Tatami-Matten aus Reisstroh, hat sie frisch geputzt. Sie ist froh, dass sie das noch schafft, sagt sie. Mittlerweile ist sie 103 Jahre alt und lebt noch immer allein – in ihrer Heimat keine Besonderheit.  

Das Küstendorf Ogimi liegt im Norden von Okinawa, einer Inselkette am südlichsten Zipfel des japanischen Archipels. Mehr als 900 der 1,4 Millionen Bewohner sind hier 100 Jahre alt und älter. Prozentual gesehen fünf Mal so viele wie in Deutschland. Okinawa zählt zu den „Blauen Zonen“, jenen fünf Regionen der Welt, in denen Menschen viel länger als der Durchschnitt leben: Auch Ikaria in Griechenland, Sardinien in Italien, die Nicoya-Halbinsel in Costa Rica und die Stadt Loma Lina in Kalifornien zählen dazu. Ein Paradies für Altersforscher*innen, die das Phänomen der Langlebigkeit ergründen wollen.  

Sie sind inzwischen überzeugt, dass vor allem die gesunde Ernährung der Inselbewohner*innen über ihre Lebenserwartung entscheidet. Hinzu kommen die Gene, also die Veranlagung, das tropische Klima, ein aktiver, aber genügsamer Lebensstil und das enge soziale Netzwerk von Kindesbeinen an. Wer mit den Alten von Okinawa spricht, merkt schnell: Jeder hat sein persönliches Ikigai, seine Lebensphilosophie. Für Haru Miyagi ist das: „Einfach leben, immer weitermachen – und gar nicht so viel darüber nachdenken.“ Ein Wort für  
Ruhestand gibt es nicht auf Okinawa. 

 

Den ganzen Text lesen Sie in der neuen Ausgabe der BRIGITTE WIR!  

 

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