Gespräch über das Leben „Auch mein Glaube gibt mir Rückhalt“

„Auch mein Glaube gibt mir Rückhalt“

BRIGITTE WIR: Der Titel Ihres neuen Buches klingt ungewöhnlich: „Ich habe beschlossen, dass es mir nur noch gut geht“. Darin erzählen Sie von Ihrem Gehirntumor, Operationen, Bestrahlungen. Kann man nach so einem Schicksalsschlag beschließen, wie es einem geht?
MARIA VON WELSER: Na ja, das war ein spontaner Satz von mir, und mein Agent sagte sofort: Das ist der richtige Titel!
Es scheint, als würden Sie recht pragmatisch mit der Krankheit umgehen.
Ja, so bin ich: Da ist ein Thema, das gelöst werden muss, und das gehe ich so schnell wie möglich an. Von der Diagnose Anfang 2017 bis zur Operation sind nur wenige Tage vergangen. Ich habe vor der OP nur mit meinem Mann darüber geredet, weder mit meinen beiden Söhnen noch mit Freunden. Ich wusste ja nicht, wie ich aus dieser Operation herauskomme, und wollte nicht die Pferde scheu machen. Am Abend vorher war ich sogar noch mit Freunden zum Abendessen.
Sie wussten damals nicht, ob der Tumor gut- oder bösartig ist?
Nein. Dass er gutartig ist, habe ich erst nach der Operation erfahren. Ich habe dann vor Erleichterung geweint.
Wie groß war Ihre Angst in dieser Zeit?
Ich bin Gott sei Dank kein ängstlicher Mensch. Ich finde, Angst ist nicht hilfreich im Leben. Meinen Mann hat das alles sehr bedrückt, ihm hat es Angst gemacht. Er hat sich das aber nicht sehr anmerken lassen.
Nach dem Eingriff bildeten sich erneut Tumore. Sie mussten in einer Spezialklinik in Heidelberg 32 Bestrahlungen über sich ergehen lassen. So eine Erfahrung bringt psychisch an Grenzen, oder?
Ich fand es furchtbar – vor allem die Maske, die während der Bestrahlung über mein Gesicht gelegt und festgeschraubt wurde. Ich durfte mich keinen Millimeter bewegen, weil die Strahlen genau den Tumor treffen sollten, um das Wachstum einzudämmen. Die Behandlung dauerte jeweils nur zehn Minuten, aber ich habe die Zeit als sehr lang empfunden. Ich habe dann von hundert runtergezählt, das hat mir geholfen. Ich war schon immer ein Zahlenmensch.
Was half Ihnen noch?
Ich bin früh aufgestanden und habe Tagebuch geschrieben, für die Freunde, die Familie. Jede Woche sechs bis acht Seiten. Außerdem hat mir mein Glaube Rückhalt gegeben. Ich bin katholisch und bete regelmäßig. In Heidelberg habe 
ich mir einen großen Holzengel gekauft, der hat mir Kraft gespendet. Ich habe 
ihn immer noch, er steht hier in unserer Wohnung im Flur?…
…?und beschützt Sie.
Ich hoffe. Leider gibt es inzwischen einen neuen Tumor. Momentan weiß ich noch nicht, ob es erneut zu einer Operation kommen wird. Ich schiebe das Thema erst mal weg. Nur so kann ich das, ich muss die Schotten dichtmachen.
Wie war es für Sie, so persönlich über 
sich zu schreiben? Das haben Sie in Ihren anderen Büchern bisher nicht getan.
In gewisser Weise war das Buch für mich eine Therapie. Wenn ich schreiben kann, bin ich der glücklichste Mensch überhaupt. Bei so einem Buch sollte man ehrlich sein und wirklich erzählen, wie es einem ergangen ist. Ich habe in dieser Zeit auch gelernt, mich aktiv um mich zu kümmern.
Das ganze Interview lesen Sie in der neuen BRIGITTE WIR! 

Außerdem in dieser Ausgabe: 
Aufbruch: Elke Schilling hilft älteren Menschen aus der Einsamkeit
Gesundheit: Gute Strategien für Hörgeräte
Kultur: Die schönsten Museen in der Provinz