Gespräch über das Leben „Liebe hört doch im Alter nicht plötzlich auf“

„Liebe hört doch im Alter nicht plötzlich auf“

BRIGITTE WIR: Frau Mattes, können Sie sich, trotz Corona, an etwas Lustiges erinnern, das Ihnen in letzter Zeit passiert ist?
EVA MATTES: Meine Familie hat mir zu meinem letzten Geburtstag eine Tischtennisplatte geschenkt. Ich habe sie zusammen mit meiner Tochter aufgebaut, was ziemlich kompliziert war. Bei unserem ersten Spiel schrie meine Tochter bei jedem Ball, der auf sie zuschoss, sie fühlte sich total unter Druck. Wir brachen dann vor Lachen fast zusammen. Wenn meine Tochter lacht, muss ich überhaupt nicht wissen, worum es geht, ich lache sofort mit, und es artet immer in einen Lachanfall aus.
Wie haben Sie die Pandemie bis jetzt überstanden?
Beim ersten Lockdown konnte ich Dinge tun, nach denen ich mich sonst immer gesehnt hatte: im Garten arbeiten, den Blumen beim Wachsen zusehen. Sonst hätte ich irgendwo auf der Bühne gestanden oder gedreht. Ich hatte tatsächlich Ruhe nötig und war dankbar für die Pause. Im Sommer gab es dann wieder Dreharbeiten, und gerade habe ich am Hamburger Schauspielhaus geprobt, eine Uraufführung unter der Regie von Karin Beier. Ich habe also wirklich Glück gehabt. 
Jetzt schlage ich mal einen Bogen über fast 50 Jahre zurück: 1972, da waren Sie 17, mussten Sie sich auf der Bühne des Hamburger Schauspielhauses nackt ausziehen. Damals war so etwas noch skandalträchtig. Haben Sie gute oder schlechte Erinnerungen?
Eher positive. Ich spielte in dem Stück „Stallerhof“ von Franz Xaver Kroetz ein Mädchen, das geistig zurückgeblieben ist. Natürlich war die Rolle eine Herausforderung für mich. Wenn man nackt ist, ist man angreifbar und empfindlich. 
Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Ich habe mich zu Hause vor dem Spiegel nackt hingestellt und mir meinen Körper ganz genau angeschaut, ihn mit dem Blick von oben nach unten abgetastet. Ich wollte wissen: Wie sieht dieses Mädchen aus, das da im Stück nackt auf der Bühne steht? Ich hatte allerdings damals einen recht freien Umgang mit meinem Körper, das hat geholfen. Es waren die Siebzigerjahre, wir waren alle sehr offen, trugen keine BHs, haben unsere Brüste nicht versteckt. Auch in Rainer Werner Fassbinders Film „Wildwechsel“ war ich über große Strecken nackt. 
Was denken und fühlen Sie heute, wenn Sie in den Spiegel schauen?
Ich schaue gern in den Spiegel. Manchmal hadere ich mit meinem Körper, finde mich zu üppig. Ich habe auch nie die langen Beine gehabt, die ich mir immer gewünscht habe. Aber irgendwann habe ich mir dann gesagt: Meine Beine haben Charakter. Trotz aller Konflikte kann ich zu meinem Körper stehen.
  
Das ganze Interview lesen Sie in der neuen BRIGITTE WIR! 

 


Außerdem in dieser Ausgabe: 
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Ordnung schaffen: Warum es das Leben leichter macht, wenn wir uns von manchen Dingen verabschieden 
Unterwegs am Bodensee: Alpenglühen und karibische Strände