Kultur Eine mitreißende Erzählung über eine geniale Frau

Eine mitreißende Erzählung über eine geniale Frau

Es war nachmittags, als Charlotte Perriand am 15. Juni 1940 ans andere Ende der Welt aufbrach. An Bord des Handelsschiffs „Hakusan Maru“, das von Marseille aus nach Japan fuhr. Das Abenteuer, auf das sich die Architektin und Möbelgestalterin einließ, war kein ganz freiwilliges. 36 Jahre alt, hatte sie sich zu dem Zeitpunkt bereits einen Namen gemacht, an der Seite von Le Corbusier. Mit Entwürfen, die so kühn und eigenwillig waren wie sie selbst und die auf den Kopf stellten, wie man wohnte. Eben nicht mehr mit goldgerahmten Gemälden und wuchtigen Polstermöbeln, an denen man sich die Knie stieß. Sondern inmitten abstrakter Kunst im Wohnzimmer und einer Bar mit Plattenspieler, an der man trinken und hitzig diskutieren konnte und um die man später am Abend zu Jazzklängen noch tanzen konnte. Sie ersann offene Küchen, in denen Hausfrauen nicht länger in einen anderen Raum verbannt waren, sondern vom Herd aus mit Gästen plaudern konnten. Und visualisierte Möbel ohne garstige Ecken, damit man bloß nicht allzu viel Zeit mit Putzen verschwenden musste. 

Doch mit dem Zweiten Weltkrieg begannen auch ihre Visionen einer modernen Welt zu bröckeln. Anstatt das Leben auszuschöpfen, ging es nun darum, zu überleben. Im ländlichen Burgund aufgewachsen, zog sich die Französin in das Bergdorf Plan d’Osier zurück, kämpfte bei der Feldarbeit gegen ihre Verzweiflung an – bis sie aus heiterem Himmel ein Funktelegramm aus dem japanischen Kaiserreich erhielt. Weil Japan seine Exporte in den Westen steigern wollte, hatte Perriands ehemaliger Kollege, der Architekt Junzō Sakakura, sie als Beraterin für Kunst und Kunsthandwerk empfohlen. 

Sie blieb gut zwei Jahre dort. Es war eine Zeit, die ihr Leben und ihre Arbeit entscheidend veränderte und die der Zeichner Charles Berberian zum Anlass für seine mitreißende und elegante Graphic Novel über diese geniale Frau nahm, er hat sich ganz auf diesen Lebensabschnitt konzentriert.

Mit feinem schwarzem Strich und in lyrischem Aquarell, das in Blau-, Grau- und Grüntönen über die Seiten fließt, taucht der Franzose in ihr Wirken ein, verbindet West und Ost sowie Paris und Tokio, ganz wie Perriand es auch tat. Das zeigt schon das Cover seines Buchs, auf dem er in einer japanischen Landschaft eine der bekanntesten Porträtaufnahmen von Perriand zitiert: Entspannt streckt sich die französische Architektin auf einer Chaiselongue aus. Ihr Faltenrock fällt leger zur Seite, sie zeigt Bein und Selbstbewusstsein. Und sie lehnt ihren Kopf so auf die Nackenrolle, dass man ihre Halskette sieht, die statt aus zarten Perlen aus dicken silbernen Stahlkugeln für Kugellager besteht. 

1929 war das, Perriand war 26 Jahre alt und arbeitete bereits bei dem berühmten Architekten, Theoretiker und Gestalter Le Corbusier. 

Glaubt man der Legende, hat sie einfach an dessen Studiotür in der Pariser Rue de Sèvres geklingelt und sich nicht beirren lassen, als Le Corbusier sie mit den Worten „Wir besticken hier keine Kissen“ abwimmeln wollte. Der Stararchitekt war es nicht gewohnt, mit Frauen zu arbeiten. 

Den ganzen Text lesen Sie in der neuen Ausgabe der BRIGITTE WIR!