Gespräch über das Leben Das Gesicht des Yoga in der westlichen Welt

Das Gesicht des Yoga in der westlichen Welt

Kareen Zebroff ans Telefon zu bekommen ist so schwierig wie eine Audienz beim Papst. Nicht nur wegen der neun Stunden Zeit­unterschied zwischen Berlin und Vancouver. Die Yoga-Ikone ist ständig beschäftigt: Sie gibt Interviews zu einem Buch, das kürzlich in Kanada über sie erschienen ist. Sie beantwortet Fanpost, die immer noch täglich eintrifft. Sie kümmert sich um ihren Haushalt und hat natürlich auch mit 80 Jahren noch ihre Yogaroutine zu absolvieren.„Liebe Frau Zebroff, ich hätte da ein paar Fragen“, lasse ich sie per Mail wissen. „Die können Sie mir gern schreiben. Das ist entspannter“, antwortet sie postwendend. Aus der Einladung ist ein fast täglicher bzw. nächtlicher Briefwechsel geworden.

BRIGITTE WIR: Liebe Frau Zebroff, wissen Sie eigentlich, dass Sie und Ihr roter Turnanzug in Deutschland eine Legende sind? Ihr Bestseller „Yoga für Jeden“ von 1973 findet sich wahrscheinlich heute noch leicht angegilbt in den meisten deutschen Bücherschränken.

KAREEN ZEBROFF: Leicht angegilbt? Wenn Sie eine Neufassung der Legende brauchen: Gerade ist ein Essay-Band namens „Yoga Traveling: Bodily Practice in Transcultural Perspective“ von der Religions­wissenschaftlerin Dr. Beatrix Hauser herausgekommen, in dem viele bekannte Yogapioniere zu Wort kommen. Ich habe das große Glück, auf dem Cover gelandet zu sein.

Das ist kein Wunder, denn in den 1970er-Jahren galten Sie als das „Gesicht des Yoga in der westlichen Welt“.

Für diese Ehre habe ich ehrlich gesagt nie etwas getan. Da fühle ich mich eher als ein Werkzeug höherer Mächte. Als ich klein war, kannte niemand in der westlichen Welt den Begriff Yoga. Aber mein Vater war Arzt und ein sehr spiritueller Mensch. Er glaubte von ganzem Herzen, dass Liebe und Güte das Geheimnis eines erfüllten Lebens seien. So wurde auch aus mir ein Mensch, der viel lobt, viel lacht und auf andere zugeht, auch wenn das Leben manchmal eine Herausforderung ist.

Die erste große Herausforderung in Ihrem Leben mussten Sie bewältigen, als Sie im Alter von 15 Jahren von Deutschland nach Kanada umsiedelten.

Meine Eltern hatten sich scheiden lassen. Ich zog mit meiner Mutter nach Dawson Creek. Wir waren arm. Ich ging neben der Schule putzen und arbeitete als Babysitterin. Aber meine Eltern hatten mir ein strenges Arbeitsethos mit auf den Weg gegeben. So übersprang ich zwei Klassen.

Danach ging in Ihrer Biografie alles recht konventionell weiter: Sie wurden Grundschullehrerin, lernten Ihren Mann kennen, der Geschichts- und Russischlehrer war, hatten mit Mitte 20 schon drei Töchter und waren erst mal Hausfrau und Mutter.

Dann zogen wir in den Norden Kanadas, nach Hudson’s Hope, weil mein Mann dort Direktor an einer Schule wurde. Ein gottverlassenes Nest mit mehr Wohnwagen als Holzhäusern. Ich war unglücklich, denn als Frau des Direktors war ich vom sozialen Leben der 40 Lehrer*innen ausgeschlossen. Dazu kam die Kälte. Wenn ich das dritte Kind bei minus 50 Grad umständlich in den Schneeanzug gepackt hatte, musste das erste schon wieder pinkeln. Ich nahm aus Frust rasant zu. Da saß ich dann mit 27 Jahren depressiv und übergewichtig abends heulend auf dem Sofa.

Und dann kam Yoga?

Dann kam erst einmal ein Brief meiner sehr impulsiven Mutter, die wegen ihrer Wechseljahre einen Yogakurs an der Volkshochschule gemacht hatte und begeistert war. Yoga? Das war das allererste Mal, dass mir der Begriff begegnete.

Das ganze Interview lesen Sie in der neuen Ausgabe der BRIGITTE WIR!